Elvis, mehr Dandy als Rocker


Elvis Presley, Foto: elvis.com

Mit der Geburt des Rock ’n’ Roll in den 50er Jahren entstand nicht nur ein neuer Musikstil. Auch die Modewelt entwickelte eine völlig neue Stilrichtung. Vor allem der King of Rock, Elvis Presley, prägte die Mode der Teenager und verhalf der Modeindustrie zu einem millionenschweren Aufschwung.

Elvis Presley und die Halbstarken

Elvis Presley und sein Rock ’n’ Roll revolutionierten nicht nur die Musikwelt, sondern beeinflussten auch das Lebensgefühl der Jugendlichen. Dabei sorgte nicht nur der von den Eltern als „Affentanz“ bezeichnete Musik-und Tanzstil für Aufregung. Auch die Kleidung der Rock ’n’ Roll Anhänger stieß auf wenig Gegenliebe bei der älteren Generation. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges kam der Rock ’n’ Roll auch nach Deutschland. Hier wurden die „jungen Wilden aus Amerika“ als Halbstarke bezeichnet, während in England der Begriff „Teddy Boys“ entstand.

Teddy Boys in England, Foto: http://www.underground-england.co.uk/underground-history.php
Teddy Boys in England, Foto: http://www.underground-england.co.uk/underground-history.php

Des einen Leid, des andern Freud

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Rock ’n‘ Roll

Die Halbstarken orientierten sich an ihrem Idol Elvis Presley und Schufen eine eigene Modekultur. Die Herren schmierten pfundweise Pomade ins Haar, kämmten diese dann nach hinten und formten sich eine Elvis-Locke auf die Stirn. Dazu trugen sie Röhren-Jeans, Ringelsocken, spitze Schuhe und natürlich die obligatorische Lederjacke im Stil von Marlon Brando und Elvis Presley. Auch die Mädchen ließen sich inspirieren und kreierten ihre eigene Rock ’n’ Roll-Mode. Sie banden ihre Haare zu Pferdeschwänzen zusammen und trugen unter ihren weiten Röcken Petticoats. Auch Caprihosen und breite Gürtel waren bei den weiblichen Anhängern angesagt. Während die Eltern verzweifelten, freute sich die Modeindustrie über das Millionengeschäft.

Die Lansky-Brüder

Elvis Presley hatte früh erkannt, dass Erfolg nicht nur mit Talent, einer neuen Musikidee und viel Glück zu erreichen war. Auch die Mode musste stimmen. Also nahm er Kontakt zu dem Herrenausstatter „Lansky Brothers“ auf, den damals coolsten Herrenausstatter von Memphis. Vor allem bei Musikern waren die Lanskys ein Geheimtipp. Die hier angebotene Kleidung entsprach immer der neuesten Mode und war zudem erschwinglich. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis ein siebzehnjähriger Musiker mit dem Namen Elvis Presley das Ausstattungsgeschäft in Beale Street aufsuchte. Lansky kann sich an das erste Zusammentreffen mit den King of Rock ’n’ Roll im Jahr 1952 noch sehr gut erinnern. Elvis Presley wohnte noch bei seinen Eltern in den Lauderdale Courts, einer Wohngegend für Weiße mit geringen Einkommen. Daher hatte er auch nur wenig Geld für Klamotten zur Verfügung. Dennoch war er verrückt nach ausgefallener Mode.

Elvis Presley & Bernhard Lansky, Foto: lanskybros.com
Elvis Presley & Bernhard Lansky, Foto: lanskybros.com

Entenschwanz und Playboy-Type

Elvis Presley, Foto: elvisblog.net
Elvis Presley, Foto: elvisblog.net

Der Ladenbesitzer fand Gefallen an dem jungen Musiker mit dem Hang zur außergewöhnlichen Mode. Vor allem der Mut zu ungewöhnlichen Kombinationen gefiel Lansky. Bei dem bekannten Herrenaussatter fand Elvis Presley alles um seine eigene Mode zu schaffen. Vor allem seine Kombination schwarze Hose mit pinkfarbenen Hemden mit hohem Kragen und weiten Ärmeln wurde später zum Aushängeschild des späteren King of Rock. Von seiner berühmten Evis-Locke war zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu sehen. Vielmehr trug er seine Haare als Entenschwanz zusammengebunden, was ihm den Namen „Playboy-Type“ einbrachte. Für damalige Zeiten war ein solches Outfit, insbesondere für Weiße, unmöglich. Doch darauf hat Presley noch nie Rücksicht genommen. Er ließ sich nie in eine bestimmte Mode pressen, sondern folgte stets seinem individuellen Stil.

Keine Jeans für den King

Wer an die Mode der Rock ’n’ Roll-Ära denkt, stellt sich meist Männer in Jeans, T-Shirt und Lederjacke vor. Dabei war Elvis Presley gar kein Freund von Jeans, da ihn das Kleidungsstück immer an die Zeit seiner entbehrungsreichen Jugend erinnerte. Statt Jeans bevorzugte Elvis schon in jungen Jahren Samt und Seide. Dabei war ihm besonders wichtig immer etwas Ungewöhnliches wie farbenprächtige Jacken und gemusterte Hemden zu tragen. Die Methode seine Hemden in der Taille zu verknoten, wurde zu seinem Markenzeichen. Auch seine kastenförmigen Jacketts und die weitgeschnittenen nach unten schmaler werdenden Hosen passen nicht wirklich zum Rocker.

Elvis Presley, Foto: elvis.com
Elvis Presley, Foto: elvis.com

Verrückt nach Mode

Lansky richtet sich immer mehr nach den Vorlieben von Elvis Presley. Dessen Maße, Mantelgröße 42, Hemden Medium, Taille 32, Schuhe 10 1/2, hatte er immer im Gedächtnis. Als Elvis Presley für seine Bühnenauftritte mehrere Outfits benötigte, gab Lansky dem aufstrebenden Musiker Kredit. Später sollte sich das für den Herrenausstatter bezahlt machen. Viele junge Männer suchten seinen Laden auf um den Elvis-Stil zu kopieren. Unter ihnen waren auch Stars wie Jerry Lee Lewis, Johnny Cash und die Beach Boys. Für Lansky war das Treffen mit dem nach Mode verrückten Elvis Presley das Geschäft seines Lebens.

Elvis Presley hat mit seinem Rock ’n’ Roll eine Symbiose von Musik, Mode und Lebensgefühl geschaffen, wie sie in der Form wohl einmalig in der Geschichte des Mainstream ist. Zu seinem 80. Geburtstag am 08. Januar 2015 hätte er sich mit Sicherheit wieder ein ganz besonderes Outfit ausgesucht.

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