Kilmory House, Point Piper – Wenn ein Zuhause zur Bühne wird
Es gibt Häuser, die flüstern. Und es gibt Häuser, die erzählen Geschichten mit tiefer Stimme, dunklem Holz und einem Glas Rotwein in der Hand. Das Kilmory House im exklusiven Point Piper gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Ein Anwesen aus dem Jahr 1913, entworfen vom renommierten Architekturbüro Manson and Pickering, neu interpretiert für Menschen, die das Zusammensein lieben und das Alleinsein schätzen.
Ich mag Projekte, die nicht gefallen wollen, sondern Haltung zeigen. Genau das tut dieses Haus.
Ein zweites Zuhause nur fürs Bleiben

Die australische Interior-Designerin Jillian Dinkel arbeitete hier bereits zum zweiten Mal mit ihren Auftraggebern zusammen. Vertrauen ist in der Innenarchitektur alles. Und es zeigt sich besonders dann, wenn das Briefing mutig ist: ein Zweitwohnsitz, ausschließlich gedacht fürs Entertaining. Keine klassische Wohnnutzung, keine Kompromisse. Stattdessen ein Ort, der Gäste empfängt, Gespräche provoziert und den Begriff „Zuhause bleiben“ neu definiert.
Inspiriert von traditionellem englischem Design, gefiltert durch eine moderne, fast schon gothic anmutende Linse, entstand ein Interieur, das gleichzeitig opulent und kontrolliert wirkt. Kein überflüssiger Zierrat, keine Effekthascherei. Luxus durch Haltung, nicht durch Lautstärke.
Räume neu gedacht

Aus einem klassischen Drei-Schlafzimmer-Haus wurde ein sozialer Mikrokosmos. Die ursprüngliche Raumaufteilung wich einer radikalen, aber durchdachten Neuordnung:
- eine Küche auf Gastro-Niveau, gemacht für lange Abende und viele Hände
- ein großzügiger Dining Room, der nicht bittet, sondern einlädt
- ein Powder Room mit Wow-Faktor, der locker mit den Lieblingsrestaurants der Besitzer mithält
- ehemalige Schlafzimmer, die heute als Pilates-Studio, Spielzimmer und Kunstatelier dienen
Dieses Haus hat kein klassisches Schlafzimmer mehr. Und genau deshalb funktioniert es so gut.

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Handwerk, Proportion und Geduld
Was dieses Projekt so stark macht, ist nicht nur das Konzept, sondern die kompromisslose Umsetzung. Proportionen wurden neu austariert, Materialien bewusst gewählt, Details bis ins Letzte durchdacht. Von der architektonischen Linie bis zum kleinsten Dekorobjekt folgt alles einem Ziel: zeitlose Eleganz statt kurzlebiger Trends.
Jillian Dinkel verantwortete das gesamte Interior Design inklusive Möblierung und Dekoration. Ihre Handschrift ist klar, aber nie dominant. Sie inszeniert Räume so, dass sie die Geschichten ihrer Bewohner tragen können, nicht überdecken.

Luxus bedeutet hier auch Rückzug
Besonders spannend ist der gesellschaftliche Subtext dieses Hauses. Sicherheit, Privatsphäre, bewusstes Zurückziehen. Kilmory House zeigt, wie luxuriös ein Abend ohne Restaurant, ohne Club, ohne Außenwelt sein kann. Staying in wird hier nicht als Verzicht verstanden, sondern als Upgrade.
Ein stilles Statement in einer Zeit, in der alles immer öffentlich sein muss.

Wer ist Jillian Dinkel?
Bevor sie Räume gestaltete, inszenierte Jillian Dinkel Geschichten für Mode. Ihre Karriere begann in New York bei Condé Nast, wo sie fast ein Jahrzehnt mit einigen der einflussreichsten Persönlichkeiten unserer Zeit arbeitete. Von globalen Editorials bis zu komplexen Produktionen für internationale Magazine.
2016 wechselte sie bewusst vom Modekosmos in die Welt der Interiors. Was blieb, ist ihr Gespür für Dramaturgie, Materialität und Narrative. Ihr Studio in Sydney hat sich auf Heritage- und Period Homes spezialisiert, die sie mit Respekt vor der Geschichte und einem klaren Blick in die Zukunft neu interpretiert.
Ihre Arbeiten wurden international publiziert, unter anderem in Architectural Digest, Vogue Living, CASA Vogue, Belle Magazine, The Local Project und dem Sydney Morning Herald. Auszeichnungen folgten, ebenso wie die Aufnahme in die VL50 von Vogue Living und die Anerkennung als eine der führenden Designerinnen weltweit.









