Wohnen,  Einrichtung

SYMBOLPLUS OFFICE – Wenn Zurückhaltung plötzlich luxuriös wirkt

Es gibt Orte, die nicht laut um Aufmerksamkeit buhlen. Sie stehen einfach da. Gelassen. Sicher. Und genau deshalb wirken sie lange nach.
Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch in einem alten Holzgebäude in Tokio. Kein Glamour, kein Spektakel, aber diese Stille, die sofort klar macht: Hier wird gearbeitet, gedacht, entschieden. Genau dieses Gefühl hat SYMBOLPLUS OFFICE wieder hervorgeholt – und zeitgemäß übersetzt.

Durch Shoji-Wände abgetrennter Bürobereich. Foto: Keishin Korikoshi / SYMBOLPLUS
Durch Shoji-Wände abgetrennter Bürobereich. Foto: Keishin Korikoshi / SYMBOLPLUS

Mitten in Tokio hat das Designstudio SYMBOLPLUS INC. sein eigenes Büro neu gedacht. Nicht als Showroom, nicht als Instagram-Kulisse, sondern als ehrlichen Arbeitsort. Ein mutiger Schritt in einer Zeit, in der selbst Kaffeemaschinen inszeniert werden wie Kunstobjekte.

Hybrid Work benötigt keine Effekthascherei

Die Ausgangsfrage des Projekts ist erstaunlich simpel – und damit radikal:
Wie bleibt ein Büro relevant, wenn Arbeit längst hybrid geworden ist?

SYMBOLPLUS antwortet nicht mit Technik, Glasboxen oder flexiblen Sitzsäcken, sondern mit Architektur. Genauer gesagt mit Respekt vor dem Bestehenden. Das Büro befindet sich in einem Holzgebäude des Architekten Akio Hayashi, einem Verfechter natürlicher Materialien. Und genau hier beginnt die Geschichte.

Die Vorgabe war klar: Keine synthetischen Materialien. Kein Abriss um des Neuen willen. Arbeiten mit dem, was da ist.

Ein Ansatz, der fast altmodisch wirkt – und gerade deshalb hochaktuell ist.

Detail der Shoji-Wände aus recyceltem Washi, das eigentlich entsorgt werden sollte. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS
Detail der Shoji-Wände aus recyceltem Washi, das eigentlich entsorgt werden sollte. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS

Architektur, die nicht konkurriert

Statt das Gebäude zu überformen, ordnet sich das Design unter. Die bestehende Holzkonstruktion bleibt sichtbar, spürbar, dominant. Neue Elemente folgen Rhythmus, Maßstab und Wärme der Architektur. Alt und Neu stehen nicht im Kontrast, sondern im Dialog.

Das Ergebnis ist ein Büro, das sich nicht aufdrängt. Es begleitet.
Ein Raum, der Arbeit zulässt, ohne sie zu kommentieren.

Und genau hier liegt der Luxus: in der Selbstverständlichkeit.

Betrachtung des Tokonoma von einem durch Shoji-Wände getrennten Zugang aus. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS
Betrachtung des Tokonoma von einem durch Shoji-Wände getrennten Zugang aus. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS

Fakt zum Innehalten

Die Gesamtfläche beträgt gerade einmal 76,3 Quadratmeter.
Und dennoch wirkt das Büro großzügiger als so mancher Neubau mit dreifacher Fläche. Architektur ist eben kein Quadratmeter-Spiel.

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Material als Erinnerungsträger

Was dieses Projekt besonders macht, ist der Umgang mit Material. Hier wird nichts dekoriert, alles erzählt.

Rote Erde aus Ishikawa

Die Wände sind mit roter Erde aus Ishikawa verputzt – in mehreren Schichten von Hand aufgetragen. Der Farbton wurde so lange justiert, bis er mit dem Holz resoniert. Nicht harmoniert. Resoniert. Ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

Diese Oberfläche altert. Sie verändert sich. Und genau das ist gewollt.
Material darf hier leben.

Küchenbereich vollständig mit rotem Lehm verputzt. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS
Küchenbereich vollständig mit rotem Lehm verputzt. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS

Shoji aus gerettetem Washi

Die Shoji-Trennwände bestehen aus recyceltem Tosa-Washi, das eigentlich entsorgt werden sollte. Zu dünn für den klassischen Einsatz, also wurde es geschichtet – und dadurch stabil, langlebig und überraschend tief in der Wirkung.

Diese Shoji übernehmen mehrere Rollen:

• flexible Raumtrennung
• visuelle Beruhigung
• funktionale Abdeckung von Stauraum und Technik

Was man nicht sieht, stört nicht. Eine Lektion, die viele Büros vergessen haben.

Innovation durch Weglassen

Blick auf den Empfangsraum durch eine Lücke im Treppenhaus. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS
Blick auf den Empfangsraum durch eine Lücke im Treppenhaus. Foto: Keishin Horikoshi / SYMBOLPLUS

SYMBOLPLUS beweist, dass Innovation nicht zwangsläufig sichtbar sein muss.

Keine Metallschienen

Die Shoji gleiten ohne Metallbeschläge. Möglich macht das traditionelle japanische Holzverbindungstechnik. Leise. Präzise. Wartungsarm.

Licht nur, wenn es gebraucht wird

Drehbare Deckenpaneele geben Lichtquellen nur dann frei, wenn sie tatsächlich genutzt werden. Kein Dauerleuchten, kein visuelles Rauschen.

Das Büro wirkt dadurch fast meditativ – ohne es zu sein.
Hier wird gearbeitet, nicht inszeniert.

Ein Büro als Gefäß, nicht als Bühne

Shoji-Wände und Büroaufbewahrung. Shoji-Wände dienen auch dazu, Regale und Geräte nach Bedarf zu verbergen. Foto: Keishi Horikoshi / SYMBOLPLUS
Shoji-Wände und Büroaufbewahrung. Shoji-Wände dienen auch dazu, Regale und Geräte nach Bedarf zu verbergen. Foto: Keishi Horikoshi / SYMBOLPLUS

SYMBOLPLUS OFFICE versteht sich nicht als Statement, sondern als Gefäß. Für Ideen. Gespräche. Konzentration.

Das Projekt akzeptiert Veränderung als Teil von Architektur. Spuren von Nutzung sind keine Makel, sondern Beweise von Leben. Ein Ansatz, der perfekt zur Haltung von Stylejunkyz passt: Nachhaltigkeit mit Stil – nicht als Marketingfloskel, sondern als gelebte Konsequenz.

Warum dieses Projekt uns alle etwas angeht

Gerade jetzt, wo viele Unternehmen wieder über Präsenzpflicht diskutieren, zeigt SYMBOLPLUS eine Alternative: ein Büro, in das man zurückkehren möchte. Nicht weil man muss, sondern weil es sich richtig anfühlt.

SYMBOLPLUS: Gestaltung mit Langzeitwirkung

Treppenaufgang und Empfangsbereich, Foto: Keishi Horikoshi / SYMBOLPLUS
Treppenaufgang und Empfangsbereich, Foto: Keishi Horikoshi / SYMBOLPLUS

SYMBOLPLUS INC. arbeitet bewusst gegen Trends. Stattdessen geht es um Kontext, Materialehrlichkeit und Dauerhaftigkeit. Kein Wunder, dass das Studio international ausgezeichnet wurde – unter anderem bei den Dezeen Awards, den FRAME Awards und den INTERIOR DESIGN Best of Year Awards.

Aber Preise sind hier Nebensache. Entscheidend ist die Haltung. Und die spürt man in jedem Detail dieses Büros.

Was du dich fragst

Ist das nicht zu schlicht für ein kreatives Studio?
Nein. Gerade die Zurückhaltung schafft Raum für Kreativität. Alles, was nicht ablenkt, hilft beim Denken.

Lässt sich dieser Ansatz auf europäische Büros übertragen?
Absolut. Der Schlüssel liegt nicht im Material, sondern in der Haltung: Bestand respektieren, Nutzung mitdenken, Überfluss vermeiden.

Ist nachhaltiges Design automatisch teurer?
Nicht zwingend. Wiederverwendung und Reduktion sparen oft Kosten – vorrangig langfristig.

Warum spielt Handwerk hier eine solche große Rolle?
Weil echtes Handwerk altert, statt zu verfallen. Und genau das macht Räume über Jahre hinweg besser.

SYMBOLPLUS OFFICE ist kein Büro, das man „gesehen haben muss“.
Es ist ein Büro, das man fühlen möchte.

Ein Ort, der zeigt, dass wahre Modernität nichts mit Neuheit zu tun hat – sondern mit Relevanz. Und ja, ich bin mir sicher: In zehn Jahren wird dieses Büro noch besser aussehen als heute. Das glaubt mir keiner, bis er es selbst erlebt hat.

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