Möbel aus Papier


Wer zum ersten Mal mit dem Thema „Möbel aus Papier“ konfrontiert wird, ist zunächst sehr kritisch. Schließlich kann man sich schlecht vorstellen, dass ganze Kommoden, Betten oder Tische einfach nur aus reinem Zellstoff hergestellt werden. Doch es ist tatsächlich möglich robuste Möbel aus Papier und Pappe herzustellen. Dieser neue Trend kommt aus Japan. Dort haben die Menschen erkannt, dass Pappe nicht nur sehr umweltfreundlich ist, sondern auch sehr leicht zu bearbeiten, zu transportieren und noch dazu sehr preiswert ist.

Möbel aus Pappe haben ihren Ursprung in Asien

In Japan und China werden schon seit Jahrtausenden kleine Möbelstücke aus Papier gefertigt. Die Pappe, die wir heutzutage kennen, gibt es aber erst seit dem 20. Jahrhundert. Dank der neuen Herstellungsverfahren rund um die Pappe, gelingt es Möbeldesignern besonders stabile Konstruktionen aus Pappe zu fertigen. So hat sich zum Beispiel Elisé Fouin, eine junge französische Designern, darauf spezialisiert Pappe und andere Recycling-Materialien zu verarbeiten. Das hat den großen Vorteil, dass ihre Papierobjekte nicht nur sehr schick sind, sondern auch besonders ökologisch. Geprägt sind ihre Sessel und Lampen von zahlreichen Papierschichten. Dafür hat die Designerin sogar schon alte Kassenbons verwendet. Mit dem Zellulose-Werkstoff ist somit viel mehr möglich, als man zunächst vermuten würde. Das zeigt auch die Designmarke Maroso, deren Papiersofa mit der Bezeichnung Paper Cloud besonders beeindruckend ist. Entwickelt wurde es von Tokujin Yoshioka, einem japanischen Designer.

„Siège Bobine“ von Elisé Fouin, Papier und Acryllack, 2003, Einzelanfertigung, Quelle: elisefouin.com

Die ersten Möbel aus Pappe und ihre Entwickler

Doch ganz so neu ist der Papiertrend bei uns gar nicht. Frank O. Gehry entwarf schon in den 80er Jahren einen Sessel aus Karton mit dem Namen „Wiggle“. Und schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es die Lloyd Technik. Bei dieser Technik wird ein Draht mit Kraftpapier umwickelt und auf einem Webstuhl zu einem Loom-Gelfecht verwoben. Daraus ergeben sich sehr robuste Korbmöbel. Zu Beginn wurden diese Möbel auf Kreuzfahrtschiffen und für Outdoorzwecke eingesetzt, als Loom Chairs. Legendär war auch der Pappsessel aus dem Jahre 1968 aus der Serie „Sitze für Besitzlose“. Gefertigt wurde er von Peter Raacke. Dieser Sessel gehörte zum ersten industriell gefertigten Möbelprogramm aus Wellpappe in der ganzen Welt. Dabei handelt es sich um einen sehr leichten und modularen Sessel aus zweiwelliger Pappe. Lackiert oder bemalt werden kann er auch und so ganz individuell angepasst werden.

“Otto” (1968) von Peter Raacke, Quelle: livingpress.de

Zeitlose und Moderne Designobjekte aus Pappe

Für Leuchten ist Papier bestens geeignet. Ein typischer Klassiker aus diesem Bereich sind, die von Isamu Noguchis entworfenen Licht-Skulpturen für Vitra. Der japanische Designer hat aus Shoji-Papier über 100 Modelle aus Papier gefertigt. Darunter auch Steh-, Decken- und Tischleuchten. Aktuelle Lampenmodelle stammen beispielsweise aus Oi, einem Schweizer Atelier oder von einer französischen Designerin Céline Wright, die auch das Shoji-Papier verwendet. Die Leuchte „Moonjelly“ von Limpalux wurde sogar mit einem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Erhältlich ist sie als Kronleuchter.

„Moonjelly“ von Limpalux, Quelle: livingpress.de

Inzwischen widmen sich ganze Design-Büros der Neuentwicklung von ausgefallenen Papiermöbeln, die auch in Hotels und im Büro-Alltag immer angesagter werden. So hat das Büro „Ad Kil, Ro&Ad architecten“ eine komplette Büroeinrichtung aus Pappe entworfen. STUR-Möbel bietet wiederum aus ökologischer Sicht ein sehr innovatives Papier-Bausystem. Hier werden die Möbel aus einem enorm stabilen Grundgerüst aus Hartpapier-Hülsen hergestellt.

Papiermöbel Versiegelung: Feuer- und Wasserfest

Da es sich bei Papp- und Papiermöbeln im weitesten Sinne um Holzprodukte handelt, nehmen sie natürlich auch Feuchtigkeit auf, die sich bei trockener Raumluft wieder abgeben, ähnlich wie Parkett. Sie können sogar in Bad und Küche eingesetzt werden, so lange sie keinem direkten Kontakt mit Spritzwasser ausgesetzt sind. Mit einer speziellen Behandlung werden sie auch wasserfest. Wie schnell das Material entflammbar ist, hängt von der Materialbehandlung ab. Werden Papiermöbel optimal versiegelt, können sie auch feuerfest sein. Diese Versiegelung ist aus versicherungstechnischen Gründen für Büromöbel sogar vorgeschrieben. Auch die Akari Light Sculptures wurden aus Sicherheitsgründen mit Klebstoff durchtränkt und anschließend im Ofen gehärtet. Der Hersteller rät in diesem Zusammenhang, dass für Leuchten aus Papier maximal 40 Watt Birnen verwendet werden sollten.

Akari-Light-Sculptures
Akari Light Sculptures, Isamu Noguchi, 1951, Quelle: vitra.com
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