Gaultier – Das Ende einer Ära?

Foto: facebook.com/jean.paul.gaultier

Alle guten Dinge gehen einmal zu Ende. So hat nun auch der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier sein „Au Revoir“ angekündigt. Ende oder Anfang einer neuen Karriere? Diese Frage stellen sich viele. Seit über 50 Jahren sorgte der extrovertierte Modemacher immer wieder für neue Ideen in der Modewelt. Dabei bediente sich der Paradiesvogel gerne aus der Musik- oder Kunstszene und begeisterte mit kreativen Entwürfen, die seiner Zeit oft voraus waren. Zusammen mit Karl Lagerfeld gehörte Gaultier zu den letzten großen Mode-Ikonen, der Achtziger- und Neunzigerjahre.

Überraschend kam nun der Rückzug aus der Haute Couture, den der Modezar verkündete. Seine letzte Show präsentierte er mit zahlreichen Höhepunkten im Pariser Théâtre du Châlet. Allerdings hatte Jean Paul Gaultier angekündigt, ein neues Projekt zu haben, mit dem er bald an die Öffentlichkeit gehen wolle. Der heute 67-Jährige hat eine unglaubliche Karriere hingelegt und hatte nie Lust auf irgendwelche Konventionen. Er wollte auffallen, herausstechen und das schaffte er bereits im Alter von 18 Jahren, als er als Assistent für den Designer Pierre Cardin arbeitete. Das war 1970, der erste Glanzpunkt einer steilen Karriere. Obwohl er nie selbst eine Ausbildung als Modezeichner absolviert hatte, überzeugten seine damaligen Entwürfe so sehr, dass nur sechs Jahre später seine erste eigene Kollektion erschien. Ab 1977 widmete er sich vollständig der Haute Couture.

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Er wurde zum Enfant terrible der Modewelt. Seine Entwürfe waren gewagt, radikal und mit einer provokanten Weiblichkeit, die zum Teil wegbereitend war.

Der Abschied als Anfang von Neuem

Am 22.01.2020 war es so weit. Seine Abschiedsshow sorgte für neue Höhepunkte. Seine letzte Haute Couture-Show wurde weltweit umjubelt. Auf dem Laufsteg zeigte er über hundert unterschiedliche Looks aus den letzten Jahren. Es waren die besten Entwürfe aus seinen letzten 50 Jahren. Natürlich präsentiere Jean Paul Gaultier auch wieder seinen bekannten Matrosenlook, vorgeführt von dem Topmodel Gigi Hadid. Seine legendären Marinestreifen in blau-weiß gab es gleich in mehreren Entwürfen zu sehen.  Aber auch ihre Schwester Bella Hadid war an diesem Mittwochabend auf dem Laufsteg zu sehen. Für die musikalische Untermalung sorgte sein guter Freund und Sänger Boy George.

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Zahlreiche Models, die in den letzten Jahren für ihn liefen, waren in aufsehenerregenden Entwürfen zu sehen. Aber auch die Gäste waren nicht ohne. Prominente wie Carla Bruni-Sarkozy oder Eva Herzigova erfreuten beileibe nicht nur die Fotografen. Legendär wird wohl der Auftritt der Sängerin Amanda Lear bei dieser Show bleiben, die in einem gewagten und kurzen Gaultier Entwurf auf der Bühne voller Stolz und Anmut dahinschritt. Auch die bekannte Sängerin Mylène Farmer war zu sehen. Der Modezar legte seine letzte Haute Couture Show wie ein Musical an und begeisterte die Zuschauer. Die Presse schwärmte von seiner Vorstellung in den höchsten Tönen. Ein gelungener Abschied. Oder doch ein Anfang?

Jean Paul Gaultier – Mag keine Konventionen

Das zeigte sich auch immer wieder bei seinen Models. Auf den Laufstegen des französischen Modezaren waren immer wieder Models zu finden, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprachen. Bestes Beispiel dafür war wohl Beth Ditto, die füllige Frontsängerin von Gossip. Als einer der Ersten, arbeitete er mit einem androgynen Model (Tanel Bedrossiantz) zusammen, aber auch mit Transvestiten und mit Conchita Wurst, dem damaligen Eurovision-Contest Star von 2014. Davor, 2006, war es das Burlesque-Model Dita von Teese, die für ihn über den Laufsteg lief. Das Modewunderkind mischte seine Models. Vom super dünnen bis hin zu alten und auch übergewichtigen Models und auch Mädels mit Piercings, fanden sich immer eine bunte Mischung auf seinem Laufsteg wieder.

Jean Paul Gaultier – Kleiner Lebenslauf:

  • 24. April 1952: Geburt in einem Pariser Vorort  (Arcueil), als Sohn eines Buchhalters
  • 1970: Assistent bei Pierre Cardin
  • 1971: Wechsel zum Modehaus Jean Patou (als Modezeichner und rechte Hand des Chefdesigners Michel Goma)
  • 1974: Verließ er das Modehaus Jean Patou (die Mode war ihm zu steif)
  • 1976: Seine erste eigene Kollektion
  • 1977: Er widmete sich vollständig der Haut Couture
  • 1978: Sein Label wurde gegründet
  • 1980: Privater Rückschlag (Sein Lebensgefährte Francis Menuge starb an Aids)
  • 1980er-Jahre: Korsettkleid für Madonna
  • 1984 -88: Grenzüberschreitung mit Röcken für Männer und tiefen Ausschnitten beim Mann (L’homme object, 1984 oder Et Dieu créa l’homme 1985 oder Jolie Monsieur 1985/86)
  • 1989: Seine erste Schallplatte (How to Do That …). Kurze Karriere als Sänger.
  • 1997: Inszenierte er den längsten Kuss im Werbebereich (zw. Kristen McManamy und einem Matrosen)
  • 2003 Chefdesigner der Damenlinie bei Hermès bis 2011
  • 2012 Mitglied in der Jury bei den 65. Filmfestspielen in Cannes

Jean Paul Gaultier war ein Multitalent. Als Designer entwarf er nicht nur Kleidung für Frauen, sondern auch für Männer. Der menschliche Körper stand dabei für ihn immer im Fokus seiner Arbeit. Jean Paul Gaultier liebte es, zu provozieren, aber auch die klassischen Geschlechterrollen zu hinterfragen und den Umgang mit Erotik und Nacktheit auf dem Laufsteg zu kombinieren.

Das Markenzeichen

Der extrovertierte Modemacher setzte auf sein Markenzeichen, den gestreiften Seemannslook, den er nur zu gerne in seine Kollektionen alltagstauglich einband. Streifen waren immer wieder auf seinen Designs zu sehen. Besonders liebte er seine geringelten T-Shirts im Marinestil. Seine Inspiration zog er dabei aus dem Kinostreifen Querelle, Fassbinders Kultfilm der Schwulenszene.  Dennoch waren nicht alle Designs alltagstauglich, viele Entwürfe waren nur bedingt für den Alltag geeignet. Doch in den Entwürfen zeigte sich seine grenzenlose Fantasie. Männer trugen bei ihm öfters einmal Rock und tiefe Ausschnitte. Jean Paul Gaultier ging es aber im Laufe seiner Karriere nicht nur um Erfolg, sondern auch darum, mit seiner Mode eine ganz bestimmte Haltung auszudrücken.

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Licht, Makeup, Farben und Materialen gehörten für ihn zum Spiel seiner Kollektionen dazu. Für bestimmte Stars, wie zum Beispiel Beyoncé und Madonna, schneiderte Gaultier die Bühnenkostüme beinahe auf den Leib. 1990 trug Madonna eine knallenge Korsage, mit der sie in der Popmusik für Furore sorgte.

Rückzug auf Raten

Der jetzige Rückzug kam nicht so überraschend, wie er aus den Medien zu entnehmen war. Bereits 2014 kündigte Gaultier einen teilweisen Rückzug aus der Haute Couture an. Aktuell verkündete er über ein kurzes Video, das er bei Twitter postete, dass seine Schaffenszeit noch lange nicht vorbei ist. Seine Marke werde weiter bestehen, sich aber ändern.

Auf der Abschiedsshow verabschiedete er sich mit den Worten:

„Und es wird mit neuen Abenteuern weitergehen, das Beste liegt vor uns.“

Jean Paul Gaultier

Nach seinen Worten trugen zahlreiche Models den Modemacher auf ihren Schultern, während er dem Publikum mit Tränen in den Augen Luftküsse zuwarf. Eine rundum perfekte Show und der Einstieg in einen neuen Anfang. Mit Sicherheit wird uns der Franzose auch in Zukunft noch überraschen.

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