Angetrieben von den Bewegungen „Bauhaus“ und „Werkbund“, gewann das deutsche Design große Anerkennung im frühen zwanzigsten Jahrhundert. Auch nach 1949 arbeiteten Designer weiterhin daran, das deutsche Design zu etablieren – trotz der entgegengesetzten politischen Systeme in Ost- und Westdeutschland

Mehr als dreißig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung befasst sich Ausstellung „Deutsches Design 1949–1989: Zwei Länder, eine Geschichte“ im Vitra Design Museum als erstes Museum mit deutschem Design Abseits des Eisernen Vorhangs.

Während man Einblicke in das unterschiedliche Design erhält, zeigen die Philosophien in der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland auch, dass es viele Parallelen und Wechselbeziehungen gab, die Design in Ost und West verbanden.

Billiges Plastik und schrille Farben im Osten, cooler Funktionalismus im Westen: das deutsche Nachkriegsdesign wird von Klischees beherrscht.

Deutsches Design: facettenreich und farbenfroh

Peter Ghyczy, Gartenei / Senftenberger Ei, 1968
© Vitra Design Museum, Foto: Jürgen HANS
Peter Ghyczy, Gartenei / Senftenberger Ei, 1968
© Vitra Design Museum, Foto: Jürgen HANS

Die Ausstellung bricht mit simplen Stereotypen, zeigt eine differenzierte Sicht auf Protagonisten wie Dieter Rams oder Hans Gugelot im Westen und Rudolf Horn oder Margarete Jahny im Osten sowie führende Institutionen wie Burg Giebichenstein in Halle (an der Saale) oder die Hochschule für Gestaltung in Ulm.

Die Exponate reichen von ikonischen Möbeln und Beleuchtung bis hin zu Grafikdesign, Industrie-Design und Innenarchitektur sowie Mode, Textilien und Schmuck. Vor dem Hintergrund der innerdeutschen Kluft bieten viele der Exponate überraschende Perspektiven und veranschaulichen das herausragende Design als Werkzeug der Politik und Propaganda während der Zeit des Kalten Krieges.

Auf diese Weise vereint die Ausstellung nicht nur die Designentwicklung eines ehemals geteilten Landes, sondern ermöglicht auch einen einzigartigen Vergleich des Designs unter den verschiedenen Umständen des Kapitalismus und der sozialistischen Gesellschaft. In der Bundesrepublik war Design „made in Germany“ einer der Motoren für einen boomenden Exportmarkt, in der Demokratischen Republik wollte man die Planwirtschaft vorantreiben und alltägliche Produkte für jedermann erschwinglich zu machen.

Innenansicht vom Palast der Republik in Berlin - Mitte, 1977
© ddrbildarchiv.de/Manfred Uhlenhut
Innenansicht vom Palast der Republik in Berlin – Mitte, 1977
© ddrbildarchiv.de/Manfred Uhlenhut

Die Ausstellung zeigt jedoch eindeutig, dass deutsches Design auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs facettenreicher, farbenfroher und bisweilen auch kontroverser war als man vermutete. Deutsches Design war nicht nur ein Symbol für zwei getrennte Wirtschaftssysteme – als subversives Zeichen des Protests leistete es auch einen eigenen Beitrag zur Wiedervereinigung bei.

Die Ausstellung findet statt vom 20. März 2021 bis 05. September 2021 im Vitra Design Museum, Weil am Rhein.

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